Mit und ohne Muffen

Die Meinungen über Vor- und Nachteile der Muffen prallen häufig sehr erbittert aufeinander. Dabei ist diese technische Frage längst nicht mehr mit einem klaren Ja oder Nein zu beantworten. Und erst recht nicht geeignet für ideologische Grabenkämpfe.

Utopia Rahmen entwickeln sich ja ständig weiter. Daher arbeiten wir gleichzeitig mit mehreren Verbindungstechniken. Für die verschiedenen Rohre im modernen Rahmenbau brauchen wir:

  • Muffen, wie die Kreuzmuffe am London und die Mixtemuffe beim Kranich. 
  • Präzise Löt- oder Schweißverbindungen ohne Muffen, bevorzugt mit Wig-Lötung bearbeitet.
  • Roadster mit Innenmuffe

Bis vor 18 Jahren waren alle Utopia Rahmen gemufft. Um den heutigen, sehr hohen technischen Standard im Rahmenbau zu erreichen, waren ein beispielloser Wille zur Innovation, intensive Entwicklungsarbeit, hohe Investitionen, sowie Weiterbildung der Mitarbeiter nötig. Das Ergebnis ist einzigartig!

Keine gelöteten Gabeln

Utopia hat sich bei der Gabelherstellung bereits 1988 von der klassischen Gabel mit Gabelkopfmuffe (Krone) verabschiedet. Gabeln mit Krone und eingelöteten Gabelbeinen (Scheiden) waren früher immer eine Schwachstelle am Rad.

Erst die geschweißte „Unicrown-Gabel“ brachte die nötige Stabilität für dieses sicherheitsrelevante Teil. Ein deutlicher Beweis, dass Muffen wahrlich kein Garant für Stabilität sind.

Eigene Muffen

Die Grenzen, die dem Rahmenbau durch die Muffen gesetzt wurden, verhinderten in den letzten Jahrzehnten die Weiterentwicklung der Stahlrohrrahmen in Europa. Das war einer der Gründe für die mangelnde Konkurrenzfähigkeit des europäischen Stahl-Rahmenbaus gegenüber Taiwan und China. Dazu kam die Unflexiblität der Muffenhersteller.

Wir wollten uns von fehlenden Muffen nicht unser Rahmenprogramm diktieren lassen und haben bereits vor über 20 Jahren angefangen, die Kreuzmuffe und einige Muffen für Möwe und Kranich selbst herzustellen.

Ein Teil der Muffen bei Roadster, SilberMöwe wurden ersetzt, dass Rohre durch ein zweites Rohr gezogen werden. Zum Beispiel die Kreuzung beim Roadster (mit Innenmuffe) und bei der Silbermöwe, wo das Sitzrohr durch das Oberrohr geht. Dies ist eine sehr haltbare Verbindung, die auch noch gut ausschaut.

Vorteile der Muffenlötung

  • Das Rohr ist auf breiter Fläche mit Lot umgeben.
  • Es garantiert feste Rohr-Verbindungen.

Nachteile

  • Nur Rahmen aus dickwandigen, runden Rohren kann man mit Muffenlötung stabil bauen. Dann sind sie aber schwer. Baute man leichter, war der Rahmen weniger komfortabel, nicht so stabil - oder aufwendiger. 
  • Bei der Muffenlötung von sehr dünnwandigen Rohren besteht immer die Gefahr, dass das Rohr auf zu großer Fläche erhitzt und in seiner Molekularenstruktur verändert und geschwächt wird. Im Übergang von der Muffe (etwa 1,8mm Wandstärke) zum Rohr (0,8mm) liegt das Problem. Die Muffe braucht und verträgt mehr Hitze als das dünnwandige Rohr. Durch die hohe Temperatur verändert sich dann das Rohr und verliert an Festigkeit.
  • Rennrahmen wurden daher früher mit Silberlot und dünneren Muffen gebaut. Wegen der Krebsgefahr der Flussmittel für die Mitarbeiter ist Silberlot in Verruf geraten.

Mit Muffen stabiler?

  • Nur wenn die Rahmen aus dickwandigem runden Rohr bestehen.
  • Sonst eindeutig: Nein. 

Hand aufs Herz: Wer würde heute noch einen London oder Roadster kaufen mit Mindestgewicht von 20 kg. Auch dann nicht, wenn das Rad stabiler und weniger bruchgefährdet wäre - was es aber nicht ist. Denn die elastischeren CrMo Rohre halten auf Dauer mehr aus.

Alle neuen Rahmen werden ständig über Messgeräte und Tests schon beim Bau kontrolliert. Da Utopia und Rainbow Industrie die neuen Techniken auf Grundlage von Erfahrungen entwickeln und weiter handwerklich arbeiten, ist ein Rahmenbruch ausgesprochen selten. Er kommt meist nach einem Unfall, Sturz, Aufprall oder Überlastung.